Informationen über einheimische Rabenvögel:
Elster (Pica pica)
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Die Elster hat keinen guten Ruf: "Diebisch" soll sie sein, und sie ist bei manchen Vogelfreunden nicht gerade beliebt, da sie gelegentlich die Nester von Singvögeln plündert.
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| Körperbau und Verbreitung |
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Elstern
zählen mit einer Körperlänge von ca. 46 cm zu den kleineren
Corviden. Sie haben ein charakteristisches schwarz-weißes
Gefieder und einen langen Schwanz. Schultern, Flanken und
Bauch sind weiß; das übrige Gefieder von Kopf, Vorderrücken,
inneren Schulterfedern, Kinn, Kehle, Vorderbrust, Aftergegend
und Unterschwanzdecken ist schwarz. Der Oberkopf schimmert
meist grün, die Schwungfedern haben einen blauen, der Schwanz
hat einen grün-violetten Glanz.
Das Jugendkleid gleicht dem Farbmuster der Adulten. Das schwarze
Gefieder hat aber noch nicht den typischen Glanz.
Einjährige und mehrjährige Elstern beginnen im Juni zu mausern,
erstere etwas früher. Sie wechseln das gesamte Gefieder.Die
flüggegewordenen Jungen, die nur das Kleingefieder erneuern,
beginnen frühestens im Juli, spätestens Ende August mit der
Mauser.
Das Verbreitungsgebiet der Elster erstreckt sich von Europa bis in den
Nahen Osten. Außerdem kommt sie in einigen Gebieten im Westen Nordamerikas
und in kleinen Bereichen an der Nordspitze Afrikas vor.
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| Zeit- und Raumnutzung |
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Die Elster zieht das
Flachland den höheren Lagen vor und kommt in den Hochgebirgen
Europas über 2.500 m nicht vor. So besiedelt sie mit besonderer
Vorliebe Deckung bietende Strauch- und Baumbestände und lebt
bevorzugt in gut strukturierter, teilweise offener, parkartiger
Landschaft mit Einzelbäumen, Alleen, Baum- und Strauchhecken.
In der Nähe von Gewässern, z.B. an gebüschreichen Flußniederungen,
in denen Felder und Wiesen abwechseln, oder in Buschwäldern,
kleinen Feldgehölzen und Kieferschonungen kann man sie ebenso
antreffen, wie in Sümpfen mit Rohr, Weidengebüschen und Gestrüpp.
Heutzutage dürfte mehr als die Hälfte des Bestandes in und
am Rand von Ortschaften brüten (insbesondere in Einzelhausflächen
mit Restmosaiken von kurz geschnittenem Rasen, Äckern, Baumhecken
und Feldgehölzen oder auch in alten Obstgärten. Teilweise
rückt die Elster in große Städten vor. Dort brütet sie in
Baumgruppen oder parkartigen Anlagen, auf Friedhöfen, in Hausgärten,
auf Straßenbäumen innerhalb der Ortschaft oder in ihrer Nähe
an Landstraßen und Chausseen.
Die Häufigkeit ihres örtlichen Vorkommens unterliegt großen
Schwankungen. Im Inneren geschlossener Waldbestände sind sie
fast nie anzutreffen. Selten kommen Elstern in schmalen Waldstreifen
(z.B. Dünenwälder) und kleinen Waldparzellen, sowie in der
Peripherie ausgedehnter Wälder vor. Auch fehlen sie gewöhnlich
in gehölzfreien Wiesen- und Ackerlandschaften und grünflächenarmen
Großstadtzentren. Sandböden, Steilhänge, schmale, tief eingeschnittene
Täler sowie fels- und schneereiche Regionen meiden sie.
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| Nahrung |
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Elstern sind omnivor
und nehmen das ganze Jahr über sowohl animalische als auch
vegetarische Nahrung auf. Abhängig vom Angebot unterliegen
die Anteile der beiden Nahrungskomponenten im
Jahresverlauf saisonalen Schwankungen. Im Frühjahr und Sommerhalbjahr
leben die Elstern vorwiegend oder ausschließlich von animalischer
Nahrung, die sich hauptsächlich aus Insekten, daneben aber
auch aus Würmern und Spinnen zusammensetzt. Im Herbst und
Winter besteht ihre Nahrung zunehmend aus Beeren, Früchten,
Sämereien und anderen pflanzlichen Bestandteilen. Unverdauliches
wird in Form von Speiballen ausgeschieden, in denen sich zu
einem geringen Prozentsatz (5 - 10%) auch Reste von Vertebraten
z.B. von Mäusen, Vogeleiern bzw. jungen Vögeln befinden.
Beim Insekten- und Spinnenfang auf niedrigem Bewuchs läuft
die Elster ein Stück, bleibt stehen, reckt sich hoch auf und
hält Umschau. Entdeckt sie eine Beute, läuft oder hüpft sie
rasch darauf zu und packt sie mit dem Schnabel. Bei höherem
Bewuchs schreitet sie umher und - ohne stehen zu bleiben -
rennt sie auf die entdeckte Beute zu. An hohe Grasähren oder
Kräuter spingt sie hoch, um Insekten abzulesen. Selten fliegen
Elstern auf, rütteln kurz und niedrig über hoher Vegetation,
machen niedrige Suchflüge über Wiese und Feldränder oder sitzen
an erhöhter Stelle und beobachten die Umgebung. Häufig werfen
sie Laub oder Erde mit dem Schnabel beiseite, gelegentlich
stochern sie im Boden oder pflücken Beeren ab. Das Verstecken
von Futter spielt eine große Rolle und hilft den Elstern in
nahrungsarmen Zeiten.
Im städtischen Bereich können Elstern auf ein erweitertes
Nahrungsangebot zurückgreifen wie z.B. Vogelfutter, Kompost
oder Abfall von Müllhalden, Abfalleimern und -containern oder
auch Aas von überfahrenen Tieren. Im Winter, wenn die natürliche
Nahrung immer knapper wird, kann anthropogene Nahrung einen
entscheidenden Überlebensfaktor in der Stadt darstellen.
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| Fortpflanzung |
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Balzartige Handlungen finden manchmal schon Ende des Winters
bei der Erkundung des Reviers, später dann auch in den vier
bis fünf Tagen vor der Ablage des ersten Eies statt. Vor der
Kopula umkreist das Männchen mit stark geplustertem Schulter-
und Unterseitengefieder, zitternden oder ausgebreiteten Flügeln
das in Kauerstellung und mit gefächertem Schwanz zur Begattung
auffordernde Weibchen und steigt auf.
Das Paar verteidigt
ein abgegrenztes Gebiet, ihr Revier, gegenüber benachbarten
Brutpaaren. Gegen Ende März/Anfang April beginnt das Elsternpaar
mit dem Nestbau. Dabei wird die Nesthöhe so gewählt, daß sie
in einem optimalen Bereich liegt. Einerseits muß der Standort
das Sicherheitsbedürfnis der Elstern abdecken, andererseits
sollte die für die Jungenaufzucht aufgewendete Energie möglichst
gering sein. Mit steigender Höhe des Nestes wächst die Sicherheit,
allerdings nimmt damit der Energieaufwand für die Aufzucht
der Jungen zu.
Zunächst baut das Paar aus Zweigen, Stöcken und
Lehm oder Schlamm ein Nestgerüst. Dann sammeln die Elstern
erneut Schlamm, um eine Nestmulde herauszuarbeiten. Diese
kann manchmal bis zu 10 cm tief sein. In der letzten Phase
wird die Nestmulde mit dünnen Zweigen, Haaren und Gras ausgekleidet.
Die Gesamtzeit für den Nestbau beträgt ca. 40 Tage. Der Außendurchmesser
eines Nestes liegt zwischen 35 und 75 cm. Einzelne Paare beginnen
oft gleichzeitig oder sukzessive an mehreren Stellen zu bauen,
geben aber die Nestanfänge, die oft irrtümlich als Spielnester
interpretiert wurden, zugunsten des zum Brutnest ausgewählten
Kobels wieder auf.
Mit
dem Brüten beginnen die Elstern meist nachdem einige Eier
gelegt wurden. Manchmal kommt es aber auch vor, daß schon
nach dem Legen des ersten Eies oder erst nach dem Legen aller
Eier, gebrütet wird. Bei den Elstern brütet nur das Weibchen,
das in dieser Zeit vom Männchen gefüttert wird. Nach 22 bis
24 Tagen, d.h. Ende April, Anfang Mai schlüpfen die Jungen.
Sie kommen nackt und blind auf die Welt und sind in den ersten
sechs Tagen nahezu wechselwarm. Die thermoregulatorische
Einheit zwischen Mutter und ihren Kindern wird nur beim Füttern
durch den Vater kurzfristig unterbrochen. Die Jungen werden
bis zum 11. bzw. 12. Tag gehudert. Die Augen der Jungen öffnen
sich mit sieben oder acht Tagen. Vor dem Ausfliegen klettern
die Jungen abwechselnd ein und aus, turnen auf dem Dach des
Nestes und in den umliegenden Zweigen herum, werden aber von
den Eltern immer noch im Nest gefüttert. Noch nicht flugfähige
Junge bleiben gewöhnlich in Deckung und vermögen, auf den
Boden geraten, selbst an relativ glatten Baumstämmen flügelschlagend
hochzuklettern.
Bei der Aufzucht von Jungen spielen Insekten als eiweißreiche
Nahrungsquelle eine besonders wichtige Rolle. Auffällig ist,
daß sich die angebotene Nahrung im Laufe der Aufzuchtphase
ändert. So füttern die Eltern im ersten Drittel der Nestlingszeit
proportional vermehrt kleineres und leichter verdauliches
Material (z.B. Fliegen, Raupen und Spinnen). In der Mitte
und im letzten Drittel der Nestlingszeit setzt sich die Nahrung
aus gleichen Anteilen großer und kleiner Komponenten zusammen.
Bei den größeren Bestandteilen handelt es sich z.B. um Vertebratenteile,
Würmer, Hautflügler und Käfer.
Junge Elstern beginnen mit etwa 45 Tagen selbst am Boden Nahrung
zu suchen, bleiben aber nach dem Ausfliegen noch sechs bis
acht Wochen von ihren Eltern abhängig. Danach löst sich der
Familienverband allmählich auf.
Während der Brutzeit übernachten beide Partner in ihrem Revier.
Sobald die Jungen gut fliegen können, werden sie zum gemeinsamen
Schlafplatz geführt, der nach und nach von der überwiegenden
Zahl der Elstern der Umgebung benutzt wird. Die selbständig
gewordenen Jungvögel benachbarter Territorien schließen sich
dann zu einem Schwarm mit einem gemeinsamen Streifgebiet von
30-50 ha zusammen. Innerhalb dieses Nichtbrüterschwarms, dem
sich im Winter vorübergehend auch territoriale Artgenossen
anschließen können, finden die Jungvögel ihren Partner, mit
dem sie meist zeitlebens zusammen bleiben.
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| Literatur |
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- Bährmann, U. (1995): Die Elster. (Nachdruck der 1. Auflage
von 1968) Die neue Brehm-Bücherei, Westarp Wissenschaften,
Magdeburg.
- Birkhead, T.R. (1991): The magpies. T & AD Poyser, London.
- Kooiker, G.; Buckow, C.V. (1999): Die Elster. Ein Rabenvogel
im Visier. Aula-Verlag, Wiebelsheim.
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